Hallo zusammen,
nachdem ich in Mallorca die Saison eröffnet hatte, war am Sonntag mein erster Triathlon in 2011 auf deutschem Boden. In Kraichgau stand die Half-Challenge auf dem Programm.
Bereits am Samstag sind wir angereist und haben uns den Tag mit Startunterlagen, Check-In der Sachen, Triahtlon-Messe und Pasta-Party um die Ohren geschlagen. Sehr gefreut habe ich mich das ich alle Freunde und Bekannte getroffen habe, mit denen ich das Trainingslager verbracht habe.
Nach einer kurzen Nacht ging es dann an den Hardtsee zum Schwimmstart.
Mittlerweile hat sich schon eine gewisse Routine in der Wechselzone eingestellt. Ich gehe an mein Rad, bereite ein bis zwei sinnvolle Sachen vor und verbringe die Zeit (bis ich mich in den Neo schmeisse) damit, andere Triathleten und deren Ausrüstung zu begutachten.
Vor den Dixi's endlose Schlangen, dann leert sich die Wechselzone und schon fällt der Startschuss für die Profi's und die ersten Age-Grouper. Eine dreiviertel Stunde noch, dann bin ich dran. Wir (mit den Blauen Badekappen) werden zur Startlinie gelassen. Nach ein paar schnellen Zügen entscheide ich mich spontan dazu heute mal in die erste Reihe bzw. an vorderste Front zu gehen. Ich fühle mich sicher und mehr als überschwimmen können mich die anderen sowieso nicht.
Die Challenge-Hymne erklingt und "Peng" -los gehts.
Ich schwimme hart an und denke, auf den ersten Metern wann mich wohl der erste einsammeln wird. 150-200 m passiert nichts bis ein anderer Athlet an mir vorbei zieht. Ich hänge mich an seine Füße und der Versuch dran zu bleiben gelingt mir. Super! Ich komme sehr gut über den U-Förmigen Kurs und habe permanent das Gefühl mit nur ca. 10 Athleten gleichzeitig zu schwimmen. Als ich den Schwimmausstieg und die ganzen Zuschauer bereits sehen kann entscheide ich nicht voll durch zu ziehen und "entspannt" aus dem Wasser zu steigen, was mir nach 31:31 Minuten gelingt. (Wow, 3 Minuten schneller als letztes Jahr in Wiesbaden!)
Ich fühle ich gut, pelle mich aus dem Neo, schlüpfe rein in die Radschuhe und nach ca 3 Minuten bin ich auch schon auf dem Rad. Da wir die Strecke bereits vor 3 Wochen auf einer Trainingsrunde abgefahren sind, weiß ich bereits was jetzt auf mich zukommt. Auf den ersten 10 Km mache ich ordentlich Druck und auch danach spüre ich, dass ich sehr gute Beine habe. Obwohl Kraichgau nicht umsonst "Land der 1000 Hügel" heißt und die Radstrecke zwar schön aber anspruchsvoll ist, habe ich auch nach 50 Km noch einen knappen Schnitt von 35 Km/h auf dem Tacho stehen. Meine Fresse, so schnell war ich noch nie unterwegs. Nach 60 Km ist mir auf einer Abfahrt beim Schalten die Kette runtergeflogen. Überhaupt kein Problem -klar fluche ich kurz "Scheisse" habe das Problem aber nach ein paar Sekunden behoben und fahre weiter.
Der letzte Berg zieht mir dann mehr Saft aus dem Körper als ich dachte und trotzdem komme ich nach (für mich) sensationellen 02:41 h vom Rad. (Eine gute halbe Stunde schneller als in Wiesbaden)
In der Wechselzone geht es entspannt zu. Ich ziehe meine Schuhe an, den Visor auf und habe sogar noch Zeit mir 2 Becher Wasser über den Kopf zu schütten -was für eine Hitze!!!
Ich verlasse die zweite Wechselzone nach 03:17 Min., atme tief durch und denke ok. Die Beine fühlen sich gut an und das ich einen Halb-Marathon laufen kann weiß ich. Es geht erstmal ein paar hundert Meter runter bevor es auf eine kleine Schleife geht. Nach ca. 2 Km merke ich, das irgendwas nicht stimmt. Im ersten Moment denke ich an leichte Magenkrämpfe, kann den Schmerz aber nicht einordnen. Irgendwas stimmt nicht, die Schmerzen nehmen zu und ich werde langsamer. Die erste 3-4 Km Runde laufe ich irgendwie noch durch als langsam nichts mehr geht. Der Schmerz fängt im unteren Rückenbereich an und zieht mit jedem Schritt immer mehr bis unter die Schulterblätter und auch in den unteren Bauchbereich. Meine Atmung wird immer flacher und ich muss zum ersten mal gehen. Mist! Ich versuche immer wieder anzulaufen, schaffe aber nicht mehr als 100 Meter ohne das der Schmerz immer stärker wird. Ich gehe 2-3 Kilometer und versuche immer wieder anzulaufen. Mit der Zeit schaffe ich dann keine 50 Meter mehr, bis ich es tatsächlich nicht mal mehr fertig bringe 20 Meter zu trappeln ohne in Atemnot zu geraten, da der Schmerz langsam den kompletten Rücken dicht gemacht hat.
Ich gehe weiter, werde von hunderten von Leuten überholt und weiß nicht was ich machen soll. Probiert habe ich alles, Vorderfuss laufen, eine komplette Abrollbewegung, überwiegend den Hinterfuss belasten, die Füße knapp über den Boden ziehen, nichts hilft. Es ist zum verzweifeln... ich gehe Kilometer für Kilometer und verstehe die Welt nicht mehr! Ich werde abwechselnd wütend, traurig, entäuscht und deprimiert. Ich denke, dass das kein würdiges Triathleten-Dasein ist und verkaufe gedanklich schon mein Fahrrad. Die mitleidigen Blicke der Zuschauer geben mir den Rest und nach 13,5 Km (kurz vor der letzten Runde) überlege ich ob ich mir das bis zum Ende geben soll. Keiner hintert mich daran und die Schmerzen, die ich mitterweile auch beim Gehen habe wären vorbei. Nein... Aufgeben ist nicht drin. Ich schaue mich nach einem Wettkampfrichter um, den ich nach dem Cut-Off bzw. der Restzeit fragen will die mir noch bleibt. Ich finde keinen Offiziellen und gehe weiter. Es fängt kurz zu regnen an und mittlerweile bin ich von jedem überholt worden, der noch unterwegs ist. An den Verpflegungsstationen und engeren Passagen versuche ich den Läufern nicht im Weg zu stehen. Jedes Km-Schild macht mich mittlerweile fertig und ich will endlich ankommen. Oft schießen mir Tränen in die Augen und irgendwann ist es dann soweit. Ich gucke mich noch kurz um- logisch ist keiner hinter mir... dann mobilisiere ich die letzen Kraft-Reserven, um über den roten Teppich nach 06:06 h ins Ziel zu traben. Am liebsten wäre ich unterm Teppich durchs Ziel... Ich stecke die Medaille weg und will nur noch weg von hier. (über eine Stunde langsamer gelaufen als in Wiesbaden)
Leider habe ich am Donnerstag vor dem Wettkampf eine blöde Bewegung gemacht und mich am Rücken verletzt, was ich noch versucht habe weg massieren- und tapen zu lassen. Wahrscheinlich bin ich auf dem Rad auch ein zu hohes Tempo gegangen und auch das hat sich negativ auf die Muskulatur ausgewirkt.
Heute sieht die Welt schon wieder ein wenig besser aus, aber ein angeknackstes Ego bleibt trotzdem nach 17 Km spazieren gehen.
Vielen Dank an alle die mich angefeuert-, mitgefiebert- und danach aufgemuntert haben.
Stay tuned,
Daniel
Montag, 6. Juni 2011
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