Foto by Finisherpix
Die ersten Meter auf dem Rad sind wirklich klasse. Die Straße, die vom Waldsee wegführt, ist abschüssig und somit rollte es sich auf dem ersten Kilometer von alleine. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mich jetzt an das Kurbeln gewöhnen sollte und darauf konzentriere ich mich auch. 13 Kilometer sind es vom See zum Start der ersten Rad-Runde. Diese ersten 13 Kilometer verleiten dazu sehr schnell anzufahren weil total eben. Ich sage mir immer wieder "locker kurbeln" und achte auf den Tacho. Die ersten Radfahrer überholen mich und es beginnt immer heftiger zu regnen.
In Frankfurt angekommen fahre ich kurz am Römer vorbei und dann weiter auf die Hanauer-Landstrasse. Hier merke ich -das wird heute ein langer und kalter Tag. An den roten und weißen Druckstellen an meiner Hand vom greifen des Aerolenkers merke ich, dass ich schon jetzt ziemlich durchgefrohren bin. Kurz schießt mir der Gedanke in den Kopf, wie ich da noch eine zweite Runde fahren soll. Ganz schnell wird der Gedanke wieder weg geschoben und schon bin ich in Bergen-Enkheim angekomme. Bevor es "The Beast" hoch geht kommt nochmal ein richtiger Schauer runter. Ich schalte einige Gänge runter und bleibe meiner Vorgabe (ich könnte schneller fahren) treu. Jetzt komme ich in die Wetterau und eigentlich kommt ein kurzer High-Speed Abschnitt der aufgrund der nassen Strasse und des eisigen Fahrtwindes nicht wirklich High-Speed gefahren werden kann. Es folgt die Kopfsteinpflaster-Passage "The Hell". Mit dem Rad bin ich dieses Stück noch nicht gefahren und so muss ich während der kompletten 500 Meter lachen, weil absolut alles durchgeschüttelt wird und mein Helm an meinen Kopf dotzt :-) Leider verliere ich bei der Aktion beide Trinkflaschen. War mir vorher klar, dass das passieren kann und schockt mich nicht weiter. Es folgt kurz darauf die nächste Verpflegungsstation und der längste bzw. höchste Anstieg auf der Strecke -der Hühnerberg. Hier zieht es sich ein wenig und trotzdem ist der Berg relativ gut zu fahren.
Nun bin ich mitten in der Wetterau und bis Bad Nauheim geht es überwiegend flach. Ich habe mehr mit dem Wetter zu kämpfen als mit allem anderen. Immer wieder fängt es an heftiger zu regnen, was meinen Körper weiter durchfrieren lässt. Ich rede mir immer wieder ein, dass das bald aufhören wird....
Von Bad Nauheim über Friedberg zurück nach Bad Vilbel lässt es sich relativ locker fahren. Da sind nochmal ein bis zwei Hügel in der Landschaft aber alles in allem kein großes Ding. Den "Heartbreak Hill" kannte ich noch nicht und als ich in Bad Vilbel in dem kleinen Kreisel abbog und zum ersten mal da hochguckte, ist mir das Herz schon ein wenig in die Hose gerutscht... Menschen soweit das Auge reicht und das bei dem scheiss Wetter. Unten wird man ja schon angebrüllt und angefeuert aber wenn sich die Strasse oben verengt und man nur noch einen schmalen Gang zum durchfahren, hat ist Tour-de-France-Feeling pur angesagt. Was für ein Erlebnis!!! Oben angekommen muss ich zum ersten mal vom Rad und pinkeln. Ich hatte 85 Km lang schon das Gefühl meine Blase platzt. Weiter gehts nach Frankfurt und die 8 Km von Bad Vilbel in die Innenstadt rollen sich sehr entspannt. Das hat man sich nach dem Heartbreak-Hill auch verdient :-)
In der Nähe der Zeil, mitten in der Stadt, sehe ich zum ersten mal meine Supporter an der Strecke stehen und winke kurz. Super! Jetzt gehts mir gut obwohl ich total durchgefrohren bin. Ich fahre mit dem Rad in den Theater-Tunnel und will gar nicht mehr raus. Da ist es tatsächlich total warm. Leider ist der Tunnel schnell zuende und ich fahre direkt in den Regen. Ab jetzt beginnt die zweite Radrunde.
Hier passiert nicht mehr viel. Ich habe mit einem psychischen Tief zu Beginn der zweiten Runde gerechnet, doch das bleibt aus. Ich freue mich darüber und kurble wie geplant weiter. The Beast, The Hell und der Hühnerberg gehen rum. Zu meiner Freude ist die Wetterau mittlerweile trocken und endlich ist es nicht mehr kalt an den Händen. Wusste ich's doch: Es geht vorbei :-) Ich bin gut drauf und fahre bis Km 160 einen sehr guten Rythmus als mich das Tief dann doch noch kurz einholt. Gegenwind -und was für einer. Auf der Geraden, Abschüssig, 23 Km/h zu fahren ist nicht gut für's Ego nach 160 Km. Aber auch das geht vorbei und nach dem Heartbreak Hill mit anschließender Pinkelpause gehts nach Frankfurt. Ich fülle meine Speicher mit Gel, Riegel und Iso auf und denke "Ok, jetzt noch ein Marathon".
Ich rolle nach Frankfurt und an der Strecke ist die Hölle los. Die Leute, vor allem aber meine Supporter die wieder sehe, brüllen einen in die Wechselzone und schon steige ich vom Rad. Ich merke meinen Rücken, der auf dem Rad noch ein wenig gezwickt hat jetzt nicht mehr, dafür tut mir mein rechtes Knie beim Laufen weh. Ich packe erstmal meinen Beutel und setzte mich ins Wechselzelt. Mit dem freundlichen Helfer gehe ich meine Sachen durch und unterhalte mich über das schlechte Wetter beim Radfahren. Keine 4 Minuten später laufe ich aus dem Wechselzelt...

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