Foto by Finisherpix
Ich laufe die ersten Meter auf der Strecke und merke, dass mein rechtes Knie schmerzt. Kurz denke ich "endlich hält der Rücken, dann tut was anderes weh". Dem Gedanken gehe ich nicht weiter nach und sage mir, dass das auch vorbei geht.
Die ersten 3 Kilometer auf der Laufstrecke sind der Hammer. Überall Leute und man muss wirklich gucken, dass man nicht zu schnell los läuft. Das gelingt mir, da ich mich an meinem Puls orientiere. Tatsächlich sind die Knieschmerzen nach der zweiten Verpflegungsstation weg. Ich freue mich und laufe über die erste Main-Brücke. Es ist noch nicht übermäßig viel los auf der Laufstrecke und ich nehme an jeder der Verpflegungsstationen wie geplant einen Becher Iso. Das Stück auf der Sachsenhausener-Main-Seite zieht sich, da man hier am längsten gerade aus läuft. Das schöne, am Ende dieser langen Geraden bekommt man sein erstes Bändchen. Super! Jetzt sieht jeder -der ist schon in der zweiten Runde :-) Ich laufe zum ersten mal über die zweite Main-Brücke und wundere mich schon wo meine Supporter sind. Da steht die ganze Bande bei Km 9 und brüllt sich die Seele aus dem Leib als ich vorbei laufe. Ich freue mich riesig und muss einfach nur grinsen!
Das ganze Spiel wiederholt sich relativ unspektakulär auf der zweiten Runde und auch hier fühle ich zwar die Vorbelastung durch das Schwimmen und Radfahren, habe aber zu jederzeit das Gefühl heute ins Ziel zu laufen. Bei jeder Verpflegungsstation gibt's nen Becher Iso und schon gibt's das zweite Bändchen und ich sehe meine Lieben wieder. Moment... da sind doch sogar noch welche dazu gekommen :-)
Die dritte Runde ist deutlich schwerer und das war mir auch klar. Jetzt zeigt mir mein Körper deutlich die Grenzen auf und ich halte mich noch an meine Pulsvorgabe, werde aber spürbar langsamer und muss viel mit mir arbeiten um bei der Stange zu bleiben. Das es im 5 Minuten Takt heftig zu regnen beginnt, tut sein übriges dazu bei. Auf den letzten Aid-Staions nehme ich zum Iso noch eine Cola und irgendwie kämpfe ich mich zum 3. Bändchen durch ohne Gehpausen einzulegen. Wieder sehe ich meine Lieben und diesmal sage ich "beim nächsten mal sehen wir uns am Römer".
Jetzt sind schon sehr viele gehende Läufer auf der Strecke und alles was mich jetzt noch beflügelt ist der Gedanke, es "gleich" geschafft zu haben. In der 3. Runde habe ich beschlossen mich für das Durchhalten zu belohnen und so lege ich an den ersten 3 Verpflegungsstationen der 4. Runde gehpausen ein. Sobald die Verpflegungsstation aufhört, fange ich wieder an zu laufen. Nach 38,5 Km gucke ich auf die Uhr und mit dem letzten verbliebenen Hirnschmalz überschlage ich, dass ich eine Zielzeit von unter 11 Stunden noch packen kann, wenn ich mich jetzt am Riemen reiße. Kaum ist dieser Entschluss gefasst, kann ich wie durch Zauberhand wieder Laufen... ich hole mir das letzte Bändchen und laufe und laufe... ich komme an der letzten Main-Brücke an und hier fängt es noch einemal so richtig heftig an zu regenen. An der letzten Verpflegungsstation nehme ich noch einmal eine Cola und weiß, gleich ist's geschafft. Ich gucke auf die Uhr und freue mich. Auch der Monster Regen kann mich nicht mehr stoppen. Du kannst mir nichts anhaben... :-) Ich laufe durch die letzte Brücke und darf nach der 2. Wechselzone nach rechts abbiegen...
Es folgt ein kurzes Asphalt Stück bevor ich auf den Roten Teppich darf. Hinter mir ist keiner und ich habe genug Zeit. Der Zielkanal ist unbeschreiblich. Ich sehe nur Menschen, vor allem Aber meine Family, meinen Schatz und meine Freunde, dann bin ich auf dem Römer. Es schüttet wie aus Eimern und ich bin für einen kurzen Moment ganz alleine auf dem Platz. Ich sehe das Zieltor und die Zeit die hoch zählt. Mir schießen die Emotionen in den Kopf und ich kann es kaum glauben, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Nach 10:56:32 Std. überquere ich überglücklich die Ziellinie und bekomme die Medaille.
Ich bin ein Ironman!

Sehr schöner Bericht! Ich bin leider erst vor wenigen Tagen zufällig auf deine Seite gestoßen , hätte aber gerne die ganzen Entwicklungen von Anfang an gelesen. Ich war selbst live in FFM, habe dich aber leider nicht gefunden. Bin selbst Triathlet und werde auch irgendwann den Ironman finishen ( hoffentlich ;) ). Da ich aber erst 16 bin, habe ich ja auch noch lange Zeit. Hatte aber echt Gänsehaut bekommen, als ich die letzten Zeilen deines Berichtes gelsen habe. Mach weiter so.
AntwortenLöschenHallo Jonas und vielen dank für dein Feedback. Mit 16 hast du tatsächlich (und zwangsläufig) noch mindestens zwei Jahre Zeit um dich vorzubereiten. Wenn du den Ironman in Angriff nehmen will dann kannst du dir sicher sein, dass es sich wirklich lohnt! Es stimmt wirklich was jeder sagt. Das was man da erlebt, kann man nicht in Worte fassen :-) Viele Grüße, Daniel
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